Samstag Valpic nr 10 – 21. Februar 2026 – –

Michael Guttman im Interview mit Jacques van den Abeele und Jean Metz
Samstag Valpic nr 10 – 21. Februar 2026 – –
„10 Jahre Musikfestivals“ bedeutet auch, die Attraktivität unserer Landgüter durch ein qualitativ hochwertiges Kulturangebot zu steigern. Das war das Thema dieser TV-Sendung mit unserem Gast Michael Guttman, der die Fragen von Jacques van den Abeele und Jean Metz vor einem zahlreichen Publikum beantwortete, das interessiert war, mehr zu erfahren.
Michael Guttman, der im Alter von 10 Jahren ein Wunderkind auf der Geige war und als Konzertspieler, Solist und Dirigent auf den großen Bühnen der Welt aufgetreten ist, widmet heute einen Großteil seiner Zeit der künstlerischen Leitung zahlreicher internationaler Festivals, darunter auch Crans-Montana.
Warum hat er sich bei dieser großen Feier der klassischen Musik auf dem Hochplateau niedergelassen, welche künstlerische Richtung hat er für ein Publikum gewählt, in dem sich viele unserer Mitglieder und Besitzer wiederfinden?
Michael Guttman hat seine Richtlinien enthüllt:
Ausgedehnte Saisonalität
Im Gegensatz zu den Standardformaten von 10 Tagen deckt das Festival von Crans-Montana die vier Jahreszeiten ab. Dieser Ansatz verhindert das Vergessen nach einem Ereignis und erhält eine kontinuierliche kulturelle Aktivität aufrecht. Dies ermöglicht es auch, das Programm auf ein spezifisches Publikum in jeder Periode abzustimmen, international im Februar, lokal im September. Die zeitliche Kontinuität stärkt die kulturelle Verankerung.
Die Ablehnung von Dogmatismus
Michael Guttman lehnt vorgeschriebene Themen (z. B. L’Eau, L’Amour) ab, die er als künstlerische Zwangsjacke betrachtet. Er gibt der Freiheit der Transformation für jedes einzelne Konzert den Vorrang. „Mein Ziel ist es, eher zu überraschen als didaktisch zu erziehen“. Flexibilität hat Vorrang vor der oft künstlichen thematischen Kohärenz.
Populäre Wurzeln
Michael Guttman erinnert uns daran, dass die klassische Musik ihre Wurzeln in der Folklore hat (Mozart, Chopin, Bartok). Er plädiert für eine Öffnung der Grenzen, um die Musik lebendig und zugänglich zu machen, ohne ihre Noblesse zu verlieren. „Die Klassik ist nur eine raffinierte Weiterentwicklung des Volkstümlichen“.
Die Kommunion der Stille
Für Michael Guttman dient Musik auch dazu, Stille und Introspektion zu schaffen, eine Form von spiritueller Nahrung. Das „Live“-Erlebnis ist durch die physische Vibration der Instrumente digital unersetzbar. Das Konzert wird zur Notwendigkeit für ein kollektives Zuhören, das dann einer rituellen Zeremonie ähnelt.
Der gegenwärtige Moment
Konfrontiert mit der Geschichte und der Zukunft, erinnert Michael Guttman an den gegenwärtigen Moment, indem er einen Vergleich mit dem Skifahren heranzieht: die Verpflichtung, zu 100 % im Augenblick zu sein, ohne an die Vergangenheit oder die Zukunft zu denken. Für ihn ist die Verbindung zum Publikum ein gespannter Faden: Der Künstler spürt körperlich, ob der Saal „mit ihm ist“ oder „wenn er ihn verliert“. Die Interpretation ist ein ständiges Risiko im „Hier und Jetzt“. Die Bühne erfordert absolute geistige Präsenz.
Michael Guttmans Botschaft ist klar: Das wahre Wesen der klassischen Musik liegt nicht in der Vergangenheit, sondern in der Schaffung einer stillen Gemeinschaft in der Gegenwart, in der Künstler und Publikum eine organische Schwingung teilen, die unmöglich zu digitalisieren ist.
Nachdem die Sitzung beendet war, begab sich der Großteil der Anwesenden in den Nachbarsaal, um dem Klavierduo-Konzert von Katia & Marielle Labèque in Zusammenarbeit mit Crans-Montana Classics beizuwohnen.
